Neue Impulse für Sprache und Kultur in Ostfriesland
Mit der Gründungsversammlung des Oostfräisk Instituut ist am Sonntag, dem 8. März 2026, eine neue Institution zur Förderung der ostfriesischen Sprache, Kultur und Forschung entstanden. Bei der gut besuchten Versammlung im Auricher „Kukelorum“ kamen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kulturarbeit, Wissenschaft und der friesischen Sprachförderung zusammen, um den neuen Verein offiziell ins Leben zu rufen.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem die Vereine Jungfräiske Mäinskup, Wiekenverein und Friesischer Verband für Naturschutz. Der Vorstand, bestehend aus Onno Dirk Feldmann, Tido Specht, Torsten Bruns und Steffen Haake übernimmt künftig auch die Geschäftsführung des Instituts. Gleichzeitig fungiert er als Bindeglied zu wichtigen regionalen und internationalen Partnern, darunter die Ostfriesische Landschaft sowie der Interfriesische Rat. Ziel ist es, ostfriesische Perspektiven stärker in die interfriesische Zusammenarbeit einzubringen und die kulturelle Vielfalt der Region sichtbarer zu machen.
Ergänzung zu einer starken regionalen Institution
Mit der Ostfriesischen Landschaft verfügt Ostfriesland bereits über eine bundesweit einzigartige kulturelle Einrichtung mit eigenem Wappen, die seit Jahrhunderten zentrale Aufgaben in Kultur, Wissenschaft und Bildung wahrnimmt. Das neue Institut versteht sich daher ausdrücklich als Ergänzung: eine zivilgesellschaftliche Initiative, getragen vor allem von jüngeren Aktiven aus der Friesischen Bewegung.
Als Dachverband mehrerer ostfriesischer Vereine möchte das Oostfräisk Instituut Projekte zur Sprachpflege, Forschung und digitalen Vermittlung bündeln und neue Kooperationen anstoßen. Erste wichtige Vorarbeiten sind bereits geleistet worden: So wurden in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Leer neue Sprachkurse für das Ostfriesische Platt entwickelt, die auf großes Interesse stoßen.
Ein weiterer Meilenstein dieser Vorarbeit ist das Projekt oostfraeisk.org – das aktuell größte Online-Wörterbuch für das Ostfriesische Platt. Die Betreuung dieses zentralen Nachschlagewerks, das zuvor durch die Jungfräiske Mäinskup gepflegt wurde, liegt nun zusätzlich in den Händen des Instituuts.
Darüber hinaus entstand mit dem „Ooversetter“ der erste KI-gestützte Online-Übersetzer für das Ostfriesische Platt. Das digitale Werkzeug ermöglicht das Übersetzen zwischen Deutsch und Ostfriesischem Platt und soll zugleich als Lernhilfe für Sprachinteressierte dienen. Die zugrundeliegende Schreibweise des Ostfriesischen Platt, genannt Mäinskupsskriivwîis, baut auf den Arbeiten Dr. Marron C. Forts und Holger Weigelts auf und eröffnet insofern eine alternative Perspektive auf die Sprache.
Anknüpfen an friesische Vorbilder
Die Initiatoren orientieren sich bewusst an Einrichtungen in anderen friesischen Regionen. In Nordfriesland etwa arbeitet seit Jahrzehnten das Nordfriisk Instituut als wissenschaftliches Zentrum für Sprache, Geschichte und Kultur der Nordfriesen. Die Arbeit dieser Einrichtung wird institutionell vom Land Schleswig-Holstein gefördert.
Die Friesen gelten als nationale Minderheit in Deutschland und verfügen dadurch über eine besonders ausgeprägte institutionelle Förderung ihrer Sprache und Kultur in Schleswig-Holstein. Dazu gehören politische Vertretungsstrukturen sowie Einrichtungen wie das Minderheitensekretariat, das die Interessen der anerkannten Minderheiten gegenüber Bundesregierung und europäischen Institutionen vertritt.
Auch im niederländischen Friesland existieren vergleichbare Strukturen: Dort arbeitet seit 1938 die Fryske Akademy in Leeuwarden als wissenschaftliches Zentrum für Sprache und Kultur der Westfriesen.
Ostfriesland stärker vernetzen
Ein wichtiges Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen zu vertiefen und ostfriesische Interessen künftig stärker in nationale und internationale Minderheitenstrukturen einzubringen. Die Initiatoren sehen dabei neben der Ostfriesischen Landschaft auch das Minderheitensekretariat und den Interfriesischen Rat als wichtige Bündnispartner.
Mit der Gründung des Oostfräisk Instituut wollen die Beteiligten neue Impulse für die ostfriesische Sprache setzen – und zugleich an die erfolgreichen Modelle ihrer friesischen Nachbarn anknüpfen. Die große Resonanz bei der Gründungsversammlung zeigt bereits jetzt: Das Interesse an der ostfriesischen Sprache und Kultur ist lebendig – und bereit für neue Formen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit.

